Szenarien für den Unterricht im Schuljahr 2020/21

Aufgrund der Ausbreitung von COVID-19 bringt das Schuljahr einige Unsicherheiten mit sich. Im Grund sind drei Szenarien denkbar.

Stand Anfang August startet das Schuljahr zwar mit Hygienemaßnahmen, jedoch mit dem klassischen Präsenzunterricht ohne weitere Einschränkungen. Sollten Maßnahmen wie die Verringerung der Klassengrößen notwendig sein, so wird eine Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht (sog. Blended Learning) durchgeführt. Im Wechsel lernt ein Teil der Schüler*innen in der Schule, der andere Teil zuhause. Im dritten Szenario gibt es wieder einen Lockdown und die Schulen werden geschlossen. Es findet ausschließlich Distanzunterricht statt.

Szenario 1 – klassischer Präsenzunterricht

Da wir wahrscheinlich mit klassischen Präsenzunterricht starten, sollten hier schon vorsorglich Maßnahmen für die anderen beiden Szenarien ergriffen werden. Alle Anwendungen, die im Szenario 2 und 3 genutzt werden, sollten im klassischen Unterrichtsbetrieb immer mal wieder eingesetzt werden, damit Schüler*innen und Lehrer*innen im entsprechenden Fall routiniert damit arbeiten können. Auch Kommunikationswege sollten besprochen werden (meine Empfehlung: E-Mail, eventuell E-Mailverteiler, Alternativen sind Telefon und Messenger, Voraussetzung: Erfüllung des Datenschutzes).
Neben dem klassischen Unterricht sollte eine Lernplattform genutzt werden. Dadurch ist sichergestellt, dass alle Schüler*innen Zugang zur Lernplattform haben und auch im Umgang damit geübt sind. Es bietet sich zudem an, alle Unterrichtsmaterialien (Aufgabenblätter, Präsentationen, Fotos von Tafelbildern / Experimenten / ..) in die Lernplattform zu laden.
Zudem sollten die Klassenleiter*innen erfassen, welche Schüler*innen keinen oder nur begrenzten Zugriff zur Lernplattform haben. Mit diesen Schüler*innen sind individuelle Absprachen zu treffen, wie bei einem Lockdown zu verfahren ist.

Wenn die Schule mit WLAN ausgestattet ist, bietet sich der Einsatz von Schüler-Smartphones im Unterricht auf freiwilliger Basis an. So können auch andere Programme im Unterricht genutzt werden. Es bieten sich z.B. Programme zum Geben von Rückmeldungen und Feedback an oder klassisch Suchmaschinen.

Ich empfehle auch das Videokonferenzsystem BigBlueButton (oder Jitsi oder das in der Lernplattform integrierte System) immer mal wieder zu nutzen. Idealerweise ist es in der Lernplattform integriert und könnte z.B. zum Austausch der Schüler*innen untereinander in der Freizeit genutzt werden.

Es finden regelmäßig Fortbildungen statt, deren Teilnahme freiwillig ist. Verantwortlich dafür sollte eine Lehrkraft der Schule sein – unterstützen können die Regionale Fortbildung / BUSS-Berater*innen.

Szenario 2 – Blended Learning (Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht)

Werden Abstandsregeln in der Schule wieder eingeführt und die Anzahl der Schüler*innen pro Unterrichtsraum beschränkt, werden die Klassen in mehrere Gruppen aufgeteilt. Eine lernt in der Schule, die andere(n) zuhause. Werden die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt, so bieten sich pro Teilgruppe zwei Tage Präsenzunterricht und drei Tage Distanzunterricht pro Woche an. Zwischen den Präsenztagen erhalten die Schüler*innen Aufgaben. Dabei kann der Präsenztag dann zum Gruppenfeedback und zum Einleiten neuer Lernaufgaben genutzt werden. Die Erarbeitung der Inhalte erfolgt in der Distanzphase (die online stattfindet), die Vertiefung und Sicherung in der Präsenzphase. Die Lehrer*innen in den jeweiligen Klassen priorisieren den Unterricht, Hauptfächer und/oder Prüfungsfächer sollen möglichst immer an den Präsenztagen stattfinden, die anderen Fächer nach Bedarf.
Die Klassenleitung soll zusätzlich Zeit für organisatorische Belange und das Sammeln von Probleme und Fragen während des Distanzunterrichts haben. Mögliche Lösungen sollen dann im Klassenverband und mit den jeweiligen Fachlehrer*innen gesucht werden.

Die Aufgaben werden über die Lernplattform zur Verfügung gestellt. Sollten Schüler*innen keine Möglichkeit haben, auf die Lernplattform zuzugreifen, so sind individuelle Absprachen zu treffen (z.B. Mitgeben von Kopien, Versand der Aufgaben per E-Mail, Abholung der Aufgaben in der Schule).

Szenario 3 – Distanzunterricht

Als zentrales Instrument steht eine Lernplattform zur Verfügung. Alle Schüler*innen und Lehrer*innen haben Zugang zur Lernplattform. Über die Lernplattform können Dokumente verteilt werden, Aufgaben gestellt, bearbeitet und eingesammelt werden.
Die Kommunikation findet über die abgesprochenen Kommunikationswege statt.
Für die direkte Kommunikation steht ein Videokonferenzsystem zur Verfügung, welches Sprach- und Bildübertragung, sowie das bildliche Darstellen eines gemeinsamen Inhalts ermöglicht. Es finden in regelmäßigen Abständen Videokonferenzen statt. Es müssen nicht alle Fachlehrer*innen Videokonferenzen anbieten, Priorität haben die Klassenleiter*innen.
Für die Videokonferenzen gilt: Sie werden eher kurz gehalten, empfehlenswerte Länge ist 30 Minuten. In den Videokonferenzen sollte hauptsächlich Beziehungsarbeit stattfinden, sowie organisatorische und fachliche Fragen geklärt werden. Die Schüler*innen eignen sich selbstständig mit den Materialien der Lehrer*innen Wissen an und üben individuell. Z.B. durch Erklärvideos, Texte, Arbeitsblätter.

Schüler*innen erhalten in regelmäßigen Abständen eine Rückmeldung zu den abgegebenen Aufgaben. Da die Durchführung von Distanzunterricht sehr aufwendig sein kann, sollten die Lehrer*innen den Distanzunterricht gemeinsam planen. Beispielsweise können Lehrertandems gebildet werden, die gemeinsam Aufgaben entwickeln und diese dann an die anderen Kolleg*innen verteilen. Die Lernplattform bietet die Möglichkeit, einen Kurs zu exportieren. So kann z.B. gleich 6 gleiche Mathekurse Klasse 7 erstellt werden. Individuelle Anpassungen der Kurse sind natürlich möglich.


Softwareempfehlungen:

Für Szenario 2 und 3

Was eignet sich für den Distanzunterricht?

Lernen im eigenen Tempo
Übungen in Einzelarbeit
Wissensaneignung
Auswendiglernen
Selbstkontrolle von Aufgaben
Feedback geben
Motivation geben / erhalten

Was eignet sich für den Präsenzunterricht/Videokonferenz?

Für die Schüler*innen und ihre emotionalen Bedürfnisse da sind
Kontrolle von Aufgaben
Feedback geben
Leistungsüberprüfungen
Motivation geben / erhalten
Lernprozesse reflektieren
Themen diskutieren
Deutung, Reflexion und Urteilsbildung
Aufgabenstellungen erklären


Weiterführende Links

Das Konzept zum Download als pdf oder odt
Video von Stefan Röske (Jitsi, Oncoo, Etherpad, Mentimeter) https://vimeo.com/410109263
https://bobblume.de/2020/04/18/unterricht-regeln-fuer-videokonferenzen/
HackMD erklärt von Nele Hirsch: https://www.youtube.com/watch?v=krDHtbVhkhU
Oncoo erklärt von Nele Hirsch: https://www.youtube.com/watch?v=qazwFyMabbs
Etherpad erklärt von Nele Hirsch: https://www.youtube.com/watch?v=dMi5e6GqpiA
BigBlueButton erklärt von Ralf Anske: https://www.youtube.com/watch?v=gUpVaROD65A
HPI Schulcloud - Kurse zum Selbstlernen: https://lernen.cloud
Hybrid-Unterricht 101 (Buch zum kostenlosen Download) https://visual-books.com/hybrid-unterricht-101/


CC BY Steffen Raeder / Ralf Anske Stand 20.08.2020

Ansprechpartner BUSS-Berater Ralf Anske ralf.anske@schulaemter.brandenburg.de